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Falsch: „Aktuelle WHO bestätigt AfD-Antrag von vor über drei Jahren!“

Falsch: „Aktuelle WHO bestätigt AfD-Antrag von vor über drei Jahren!“

–- „Die WHO warnt vor krankmachendem Lärm von Windturbinen und empfiehlt Richtwerte für Windenergieanlagen.“ –-

Genauer gesagt, hat die WHO „Leitlinien für Umgebungslärm“ herausgegeben, in denen „Verkehrslärm (Straßenverkehrs-,
Schienenverkehrs- und Fluglärm), Lärm von Windenergieanlagen und Freizeitlärm“ thematisiert werden. In diesen Leitlinien werden starke und bedingte Empfehlungen gegeben.
Starke Empfehlungen werden dabei als empfehlenswerte Umsetzungen beschrieben, die einen nachgewiesenen „Nettonutzen“ haben. Bedingte Empfehlungen haben eine weniger sichere Wirksamkeit, da der evidenzbasierte „Nettonutzen“ geringer ist, so die WHO-Leitlinie. Die Empfehlungen zum Thema Windenergieanlagen fallen unter die „bedingte“ Empfehlungen.

— „Nach einer neuen Richtlinie der Weltgesundheitsorganisation sollten sie durchschnittlich 45 Dezibel am Tage nicht überschreiten, berichten mehrere Medien übereinstimmend. „Lärm von Windenergieanlagen oberhalb dieses Wertes ist mit schädlichen gesundheitlichen Auswirkungen verbunden“, heißt es in dem Bericht. Für genehmigungspflichtige Anlagen in Wohngebieten gilt laut Deutschem Umweltbundesamt bei der Lärmbelastung zur Zeit ein Richtwert von 55 Dezibel tagsüber und 40 Dezibel nachts.“ —

Die TA Lärm, auf die sich die AfD hier bezieht, regelt die Immissionsrichtwerte von „Gewerbe- und Industrieanlagen“ verschiedener Art. Die hier zitierten 55 dB(A) und 40 dB(A) gelten für allgemeine Wohngebiete, in denen also auch Läden, Gaststätten und „nichtstörende Handwerksbetriebe“ zulässig sind. Für reine Wohngebiete gelten 50 dB(A) am Tage und 35 dB(A) zur Nacht.
In den WHO-Leitlinien werden übrigens keine Empfehlungen zur Nacht gegeben, da die „Qualität der Evidenz zur nächtlichen Belastung durch
Lärm von Windenergieanlagen zu gering ist, um eine Empfehlung zu gestatten.“

— „Dazu erklärt der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, André Barth:
Die Regierungskoalition, sowie Grüne und Linke lehnten bereits im Juli 2015 einen Antrag der AfD-Fraktion ab, der ein Stillhalteabkommen (Moratorium) für den weiteren Ausbau der Windkraftanlagen in Sachsen vorsah. Laut dem Bundesamt für Umwelt, stellten Forscher bei einem Langzeitversuch krankhafte Veränderungen, beispielsweise Depressionen, durch Infraschall fest.“ —

Das ist falsch, das hat das Umweltbundesamt nicht festgestellt. André Barth vermischt hier „verschiedene Sachverhalte“, wie das Umweltbundesamt auf Nachfrage mitteilt.
Zwar wurde 2014 eine Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall in Auftrag gegeben, die darauf aufbauende Nachfolgestudie ist allerdings noch gar nicht abgeschlossen. Die Forschungsergebnisse unter dem Titel „Lärmwirkungen von Infraschall“ werden erst 2019 vorliegen, so das Bundesumweltamt weiter.

Die von der AfD angesprochenen „krankhaften Veränderungen, beispielweise Depressionen“ wiederum, beziehen sich nicht auf Infraschall, sondern hörbaren Umgebungslärm. Da die „Lärmwirkungsforschung“ psychische Erkrankungen eher nachrangig betrachtet hat, wurde hierzu 2017 ein weiteres Forschungsvorhaben an die TU Dresden vergeben. Dabei soll der „Wirkungszusammenhang zwischen chronischen Verkehrsgeräuschbelastungen und verschiedenen psychischen Krankheitsbildern erforscht werden.“ Ergebnisse dazu werden im Jahr 2021 vorliegen, teilte uns das Umweltbundesamt mit.

— „Nun bestätigt eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation unseren Antrag von vor über drei Jahren.“ —

Auch das ist falsch, die AfD wollte 2015 den Ausbau der Windenergie in Sachsen bis auf Weiteres stoppen. Womit übrigens auch das sogenannte „Repowering“ veralteter Anlagen, also dem Austausch von Windkraftenergieanlagen durch moderne und und damit auch leisere Anlagen gestoppt worden wäre. Eine solche Empfehlung oder gar Forderung hat die WHO nicht im Ansatz getroffen.

— „Den Altparteien war und ist es offensichtlich völlig egal, dass Windkraft krank macht. Uns warf man, wie so oft, Populismus vor, während Politiker von CDU und Grünen in anderen Ländern, z.B. Thüringen, die gleiche Forderung zum Ausbau-Stopp der Windkraft stellen. Das beweist, dass es bei dieser Politik nicht um Fakten, sondern um ideologische Blockadepolitik geht!“ —

Angesichts der Faktenverdrehung in dieser Pressemitteilung, wird aus dem letzten Satz der AfD der berühmte Schuh draus.