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?: „BKA: Mehr deutsche Opfer durch Zuwanderer als andersherum“

?: „BKA: Mehr deutsche Opfer durch Zuwanderer als andersherum“

Carsten Hütter, MdL der AfD-Fraktion Sachsen, schreibt am 20. Juni 2019:

– „Der Lagebericht „Zuwanderungskriminalität“ des Bundeskriminalamtes hat für letztes Jahr eine drastische Zunahme der Gewaltkriminalität gegen Deutsche analysiert: „Unter den 101.956 Opfern von Straftaten mit tatverdächtigen Zuwanderern befanden sich letztes Jahr 46.336 Deutsche (+ 19 %) … Im Bereich Mord und Totschlag fielen 230 Deutsche einer Straftat zum Opfer, an der mindestens ein tatverdächtiger Zuwanderer beteiligt war (+105 %)“. Im Bereich Sexualdelikte waren es 3.261 Deutsche (+21 %).“ –

Bei Zunahmen um mehr als 100% halten wir es ja immer für geboten, in die eigentliche Quelle hineinzuschauen. Besonders wenn der Lagebericht, also die zitierte Analyse schon mehrere Monate alt ist. Nachdem also im April die WELT, diverse Blogs (Tichy) und eine AfD-nahe Zeitung (Deutschland-Kurier) darüber berichteten, schreibt Hütter nun, drei Monate danach, auch eine Meldung.

Außer der WELT, haben übrigens alle Veröffentlichungen, auch Hütters Pressemitteilung, eines gemeinsam: Sie lassen die weiteren Sätze und Fußnoten, die dem Absatz in den es um die 230 Todesopfer geht folgen, schlicht weg.

– „Carsten Hütter, sicherheitspolitischer Sprecher, erklärt:
Es ist nicht nachzuvollziehen, warum die Medien über diese drastischen Zunahme von Ausländerkriminalität gegenüber Deutschen weitestgehend schweigen. Offenbar sollen die negativen Folgen der unkontrollierten Masseneinwanderung nicht ins öffentliche Bewusstsein dringen. Dabei reicht für jeden Bürger ein kurzer Blick auf die Gefängnisstatistik, um die einseitige Berichterstattung zu erkennen: So ist der Anteil von Ausländern im Strafvollzug in kürzester Zeit gestiegen – in Hamburg auf 61 Prozent, Berlin auf 51 Prozent, Baden-Württemberg auf 48 Prozent und in Sachsen auf über 30 Prozent.
In der Öffentlichkeit wird versucht ein Bild aufzubauen, dass Ausländer angeblich erheblichen Angriffen von Deutschen ausgeliefert wären. Tatsächlich waren bei den 47.042 Angriffen auf Ausländer nur 8.455 Passdeutsche beteiligt. Die AfD wird die überdurchschnittliche Ausländerkriminalität zum Thema machen und die Schweigespirale durchbrechen.“ –

Um beim sächsischen Beispiel zu bleiben, Anfang 2019 wurde von 981 inhaftierten Ausländern in Sachsens Gefängnissen berichtet. Im März 2016 waren es 779. Die AfD-Sachsen „interpretierte“ die Zahlen schon damals falsch, als Steigerung von „mehr als 100 Prozent“. Korrekt wäre etwa 25 Prozent gewesen. Aber die Zahl reichte ästhetisch scheinbar nicht.

Aber wir schweifen ab, im BKA Lagebild steht also nun:

„Im Bereich Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen fielen 230 Deutsche einer Straftat zum Opfer, an der mindestens ein tatverdächtiger Zuwanderer beteiligt war (+105 %; 2017: 112). Davon wurden 102 Personen Opfer einer vollendeten Tat (2017: 13).“

Das ist also das Zitat, das Hütter in der Einleitung verwendet. Direkt im nächsten Satz steht im Lagebild:

„Maßgeblich für den deutlichen Anstieg deutscher Opfer ist die im Jahr 2018 erfolgte statistische Erfassung der 81 deutschen Opfer des Anschlags am Berliner Breitscheidplatz vom 19.12.2016. 30 Von diesen wurden 6 Personen getötet und 75 verletzt. Aufgrund der Erfassungsmodalitäten der PKS werden die 81 deutschen Opfer unabhängig vom Verletzungsgrad als Opfer eines vollendeten Tötungsdelikts erfasst.(31)“

Sprich, die Opfer des islamistischen Anschlags von 2016 sind erst 2018 in die PKS eingegangen (die PKS ist nun mal eine Ausgangsstatistik). Und nicht nur das, die Fußnote 31 sagt:

„Bei einem vollendeten Opferdelikt werden in der PKS alle von der Tat betroffenen Opfer unter „vollendetes Delikt“ erfasst. Wurde beispielsweise ein Opfer bei einer Straftat gegen das Leben getötet, erfolgt auch für andere bei dieser Tat betroffenen Opfer, unabhängig von ihrem Verletzungsgrad, die Erfassung als Opfer eines vollendeten Tötungsdeliktes. Um diese Unschärfe zu beheben, wird in der PKS künftig auch der Verletzungsgrad eines Opfers erfasst.„

Das heißt, obwohl von den 81 Opfern 75 glücklicherweise überlebt haben, werden diese 75 rein statistisch als tot betrachtet. Was freilich zynisch klingt, ist aber offenbar „Teil“ dieser Statistik. Warum dieser, ja nun nicht ganz unwichtige Teil, außer von der WELT; sonst also so gerne weggelassen wird, möchten wir aber nicht mutmaßen.

?: „Statistik zeigt: Zuwanderung sorgt für massiven Kriminalitätsanstieg“

?: „Statistik zeigt: Zuwanderung sorgt für massiven Kriminalitätsanstieg“

André Wendt, MdL der AfD-Fraktion Sachsen schreibt am 5.2.2019:

— „Wie die WELT berichtet, erreicht der Ausländeranteil in deutschen Gefängnissen einen Rekordwert. Von März 2016 bis heute stieg z.B. deren Anteil in sächsischen Gefängnissen um 100 Prozent.“ —

Nein. Also abseits der Tatsache, dass die WELT den Artikel nur von der Rheinischen Post übernommen hat, stieg der Anteil ausländischer Gefangener in Sachsen seit 2016, nicht um 100 Prozent. Sondern 25 Prozent.

— „André Wendt, rechtspolitischer Sprecher, kommentiert:
In Hamburg und Berlin sind die Mehrzahl der Gefängnisinsassen Ausländer. In Sachsen stieg die Anzahl inhaftierter Ausländer von 482 auf 981 innerhalb von drei Jahren.“ —

Nein das tat sie nicht. Die Zahl 482 ist die Anzahl rechtskräftig verurteilter Strafgefangener. Die 981 umfasst wiederum diese und Personen, die in U-Haft sitzen. Die Zahlen sind also nicht miteinander vergleichbar.

— „Das ist eine Zunahme um mehr als 100 Prozent.“ —

Wenn man verschiedene Zahlengruppen zugrundelegt: ja, sonst natürlich nicht. Laut Sächsischer Zeitung waren im März 2016 779 ausl. Strafgefangene und Personen in U-Haft gemeldet. Das macht also bis heute einen Zuwachs von 25,93 Prozent.

Im August 2016 meldete die BILD dann 811 ausl. Strafgefangene und Personen in U-Haft. Zuwachs bis heute dann 20,96 Prozent. Da die Belegungszahlen natürlich auch innerhalb eines Jahres variieren (siehe 779 zu 811), sind die rein mathematischen Vergleiche freilich mit Vorsicht zu genießen.

— „Bei 3450 Inhaftierten haben wir einen Ausländeranteil von fast 30 Prozent und das bei einem Bevölkerungsanteil von nur 5 Prozent. Das sind Fakten, die nicht unter den Teppich gekehrt werden können.“ —

Dass der Bevölkerungsanteil von Migranten und Ausländern in Kriminalstatistiken nicht 1:1 mit der deutschen Bevölkerung verglichen werden kann, könnte Wendt vermutlich jeder Kriminalbeamter erklären. Es würde Ihn aber vermutlich kaum interessieren.

— „Verantwortlich für diese unhaltbaren Zustände ist die von CDU und SPD gefeierte Politik der offenen Grenzen, die nun für überfüllte Gefängnisse und zunehmende Gewalt auf Straßen und Plätzen sorgt. Bis heute hält man an dieser unkontrollierten Einwanderung fest, deshalb wird sich die Situation auch auf absehbare Zeit nicht ändern, sondern eher verschärfen. Man kann hier deshalb durchaus von einem Versagen auf ganzer Linie sprechen. Die AfD-Fraktion fordert konsequente Abschiebungen sowie ein Einreiseverbot für verurteilte ausländische Straftäter. Die Reisefreiheit dieser Tätergruppen muss massiv eingeschränkt werden. Dazu brauchen wir effektive Grenzkontrollen.“ —

Und, übrigens: Die AfD-Fraktion Sachsen berichtete 2016 selbst (!) von 798 Ausländern in Sachsens Gefängnissen. Das hätte Wendt auffallen können, wenn er nun auf einmal nur von 482 im Jahr 2016 spricht. Aber es wird ihn wohl eben kaum interessieren.

Nein: „Sachsens Gefängnisse voll Soziopathen, Suizidgefährdeter und psychisch Kranker?“

Nein: „Sachsens Gefängnisse voll Soziopathen, Suizidgefährdeter und psychisch Kranker?“

– „Eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (Drs. 6/10507) wollte von Sachsens CDU-Justizminister Gemkow unter anderem wissen, wie sich die Staatsregierung zu der im Sächsischen Strafvollzugsgesetz festgelegten Einzelhaft positioniert. Das Justizministerium teilte mit, dass rund 70 Prozent der Gefangenen derzeit in Einzelhaft sitzen würden, die restlichen 30 Prozent in Gemeinschaftszellen. Eine gemeinsame Unterbringung kommt laut Antwort nur in Betracht, wenn die Gefangenen aus medizinischen oder suizidprophylaktischen Gründen besonders behandelt werden müssen.“ –

Nein. Wie so oft liest die AfD ihre eigenen Anfragen, also vielmehr die Antworten darauf, nicht richtig. Eine gemeinsame Unterbringung kommt laut dieser hier benannten Anfrage, unter anderem (!), in Betracht:

„wenn ein Gefangener hilfsbedürftig ist oder eine Gefahr für Leben oder Gesundheit besteht bzw. mit seiner Zustimmung, wenn schädliche Einflüsse nicht zu befürchten sind.“

– „Dazu AfD-Fraktionsmitglied André Barth, der die Anfrage stellte:
Nach den Zahlen der Staatsregierung kann man also den Schluss ziehen, dass gut ein Drittel der Gefangenen in sächsischen Gefängnissen entweder krank, selbstmordgefährdet oder gar Soziopathen sind? Das können und wollen wir uns auch nicht vorstellen. Damit wird natürlich der Märchenduktus des vermeintlich psychologischen Problemfalls, den wir vor allem bei unseren Teppichfliegern aus dem Orient kennen, munter weiter gesponnen. Kann es sein, dass die Staatsregierung sich davor drückt, die wahren Verhältnisse in sächsischen JVA zu benennen?“ –

Oder kann es sein, dass André Barth hier einfach etwas Panik machen will? Wir zitieren abermals aus seiner (!) Anfrage:

„Eine gemeinsame Unterbringung erfolgt nach Abfrage in den Justizvollzugsanstalten in der Regel nur mit Zustimmung der betroffenen Gefangenen oder aus medizinischen bzw. suizidprophylaktischen Gründen.“

Sprich: Medizinische bzw. suizidprophylaktische Grunde werden einerseits in der Beantwortung ganz am Ende erst genannt und somit schwächer gewichtet und andererseits sind sie nur Teil einer Liste möglicher Gründe.

Der AfD und André Barth ist dies indes egal: Er ignoriert einfach über 80% des Textes, um eine möglichst sensationelle Pressemitteilung schreiben zu können.

– „Den vielfach überfüllten Gefängnisse des Freistaates würde eine große Last genommen werden, würde man jene 30 Prozent an vorgeblich psychisch Kranken dorthin schaffen, wo sie hingehören: In Psychiatrien und Haftkrankenhäuser.“ –

Und manch anderen Einrichtungen, würde eine große Last genommen werden, würde die AfD endlich ihre eigenen Anfragen und deren Antworten richtig lesen und vor allem: verstehen.