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??: „Fehlende Lehrlinge: Akademisierungswahn stoppen“

??: „Fehlende Lehrlinge: Akademisierungswahn stoppen“

Gestern (05.08.2019) veröffentlichte Dr. Rolf Weigand, MdL der AfD-Fraktion Sachsen und dort hochschulpolitischer Sprecher, wieder mal eine Pressemitteilung:

— „In Sachsen sind zum Ausbildungsstart noch viele Lehrstellen unbesetzt. 2400 junge Menschen fehlen, um alle Lehrstellen zu besetzen, berichtet die Freie Presse.

Dr. Rolf Weigand, hochschulpolitischer Sprecher, kommentiert:
Wenn Unternehmer das geringe Bildungsniveau unserer Schüler kritisieren, dann muss die CDU geführte Staatsregierung die Verantwortung übernehmen. Wer die sogenannte politische Bildung stärkt, aber Grundlagenfächer wie Mathematik oder Englisch im Stundenplan reduziert, muss sich nicht wundern, wenn die Allgemeinbildung sinkt. Wir brauchen in Sachsen gut ausgebildete Handwerker und Facharbeiter. Wer die Befähigung für das Studium hat, soll sich gern diesem widmen. Jedoch müssen wir den jahrelangen Akademisierungswahn endlich stoppen. Wir brauchen nicht Tausende Soziologen, Genderforscher und Sprachwissenschaftler, deren Ausbildung Millionen Euro Steuergeld verschlingt, für die es aber auf dem Arbeitsmarkt keine Nachfrage gibt.“ —

Soweit, nichts neues für die AfD. Etwas spannender wird es im nun folgenden Absatz. In der Pressemitteilung auf der Website der AfD-Fraktion Sachsen heißt es da:

— „Wir müssen die Handwerks- und Industrieberufe wieder attraktiver präsentieren und junge Menschen für diese Berufe begeistern. Die AfD hat sich übrigens als einzige Fraktion nicht nur für den Erhalt der verbindlichen Bildungsempfehlung eingesetzt, sondern auch für eine Erhöhung der Anforderungen. Daher ist AfD-Forderung, die Studienzulassung auf einen Abiturnotendurchschnitt von 1,5 zu beschränken, absolut richtig.“ —

Moment, es gibt eine AfD-Forderung, die allgemeine Studienzulassung auf eine Abinote von 1,5 zu beschränken, also einen allgemeinen NC von 1,5 einzuführen? Sprich, die allgemeine Hochschulreife nicht mehr an das Bestehen des Abiturs zu koppeln? Das ist als Forderung zumindest insoweit überraschend, dass sich diese weder im Landtagswahlprogramm der AfD-Sachsen findet, noch im ehemaligen Bundestagswahlprogramm der Partei. Und weitreichende Folgen hätte.

Schaut man sich die Abiturnoten in Deutschland an, aufgeteilt nach Bundesländern, herausgegeben von der Kultusministerkonferenz, würde das bedeuten, dass nur noch 10-15 % der Abiturienten tatsächlich studieren dürften.
Bei jetzt über 35.000 Studierenden an der Technischen Universität Berlin, wären die Hörsäle in der Tat schlagartig leer.

Und: Bei über 8.000 Angestellten der TU-Berlin, dürfte es damit dann mehr Personal als Studierende geben.
Es sei denn, die AfD will in dem Zusammenhang auch das Lehr- und Verwaltungspersonal an den Unis im großen Stil entlassen. Das dürfte dann zehntausende Arbeitsplätze betreffen. Der Ausstieg aus der Braunkohle ist ein „Witz“ dagegen.

Allerdings: Die AfD-Fraktion Sachsen weiß offenbar nicht einmal selber, was sie will. Auf Facebook ist diese Pressemitteilung nämlich auch zu finden, hat dort aber eine völlig andere Forderung:

— „Wir müssen die Handwerks- und Industrieberufe wieder attraktiver präsentieren und junge Menschen für diese Berufe begeistern. Die AfD hat sich übrigens als einzige Fraktion nicht nur für den Erhalt der verbindlichen Bildungsempfehlung eingesetzt, sondern auch für eine Erhöhung der Anforderungen. Daher ist AfD-Forderung, die Abiturzulassung auf einen Notendurchschnitt von 1,5 zu beschränken, absolut richtig.“ —

Jetzt ist die AfD-Forderung also auf einmal, dass die Zulassung zum Abitur auf einen Notendurchschnitt (vermutlich in der Sekundarstufe II) von 1,5 zu beschränken sei. Das entspräche also 12,5 oder aufgerundet 13 Notenpunkten.
Wie genau dann die, ja nicht unbedingt simple Berechnung, aus Leistungskursen und Grundkursen und deren Punktedurchschnitt etc. aussehen soll, verrät die AfD leider nicht.

Wie auch immer, auch diese Forderung findet sich weder im Landtagswahlprogramm, noch im ehemaligen Bundestagswahlprogramm.

Dass die AfD-Fraktion Sachsen auf Facebook und ihrer Website, überhaupt völlig verschiedene Sachen fordert, lässt an deren „Ernsthaftigkeit“ so oder so zweifeln.

Klar: Was die AfD-Sachsen übrigens tatsächlich fordert, ist die Veränderung der Bildungsempfehlung für das Gymnasium (also ob nach der Grundschule, das Gymnasium oder die Oberschule etc. empfohlen wird), auf einen Notendurchschnitt von 1,5. Und das verbindlich. Das allerdings hat nichts mit einer Studien- oder Abiturzulassung zu tun. Ob man das als „hochschulpolitischer“ Sprecher verwechseln kann – und zwar mehrfach -, ist sicher ausgeschlossen. Oder?

?: „Sachsen gibt Millionen für Gehirnwäscheprogramm ‚Weltoffenes Sachsen‘ aus“

?: „Sachsen gibt Millionen für Gehirnwäscheprogramm ‚Weltoffenes Sachsen‘ aus“

Carsten Hütter, MdL der AfD-Fraktion Sachsen, schreibt am 18.07.2019:

– „Die Kleine Anfrage (6/17948) der AfD ergab, dass der Freistaat Sachsen Millionen Euro für das Programm „Weltoffenes Sachsen“ ausgibt.“ —

Das ist „leicht“ übertrieben. Die Daten und Zahlen zum Programm „Weltoffenes Sachsen“ stehen praktisch auf der eben so benannten Website eh öffentlich zur Verfügung.

– „Alleine im Januar 2019 wurden über 2,3 Millionen Euro ausgezahlt.“ –

Falsch. 2,3 Millionen wurden seit Januar 2019, also für das gesamte laufende Jahr ausgegeben, nicht in einem Monat allein.

– „Carsten Hütter, Anfragesteller und sicherheitspolitischer Sprecher, kommentiert:

Wer sich in Ruhe anschaut, was der Freistaat mit seinem Programm ‚Weltoffenes Sachsen‘ alles fördert, darf die Sinnhaftigkeit des Projektes offen in Frage stellen. Ich weiß nicht, warum das Projekt ‚Vaterzeit im Ramadan‘ gefördert wird, aber kein einziges christliches Fest.“ –

Weil Carsten Hütter vielleicht doch nicht so viel Ruhe hatte? Mit dem Projekt „Vaterzeit im Ramadan“ wird nämlich kein muslimisches Fest gefördert, insofern ist die Frage unverständlich.

– „Gleichzeit fördert die CDU geführte Staatsregierung offen Propaganda gegen die AfD und spricht damit gezielt Erziehungsfachkräfte und Lehrkräfte an. Kosten: 120.000 Euro. Mit über 300.000 Euro wird das Projekt ‚Abbau fremdenfeindlicher Tendenzen in Belegschaften‘ gefördert.“ –

Letzteres übrigens ein Projekt von „Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen e.V.“, in dem 70 Unternehmen und Vereine, wie z.B. die sächsischen Industrie- und Handelskammern vertreten sind.

– „Die Liste lässt sich beliebig fortführen. Sie zeigt aber auch ganz deutlich, dass keine Projekte gefördert und unterstützt werden, dies sich gegen Linksextremismus einsetzen. Offenbar traut die CDU Regierung ihrer eigenen Bevölkerung nicht und scheut keine Mittel, alle Bevölkerungsgruppen einer Gehirnwäsche zu unterziehen. Ob das gelingt, bezweifele ich sehr stark, wie auch die letzten Wahlergebnisse gezeigt haben und auch die Landtagswahl zeigen wird.“ –

Das Programm „Weltoffenes Sachsen“, welches kurz vor der Wahl im September 2019 offenbar die Aufmerksamkeit der AfD geweckt hat, gibt es seit 15 Jahren. 2004 wurde das Projekt im damaligen Koalitionsvertrag festgeschrieben.

?: „Kriegsverbrecher unter Flüchtlingen und alle schauen weg“

?: „Kriegsverbrecher unter Flüchtlingen und alle schauen weg“

Carsten Hütter, MdL der AfD-Fraktion Sachsen, schreibt heute, am 18. Juli 2019:

— „Von 2014 bis Anfang 2019 gab das Bundesamt für Migration (BAMF) demnach etwa 5.000 Hinweise auf „Straftaten nach dem Völkerrecht“ an Bundeskriminalamt und Generalbundesanwalt weiter. Von anderen Stellen kamen 200 Hinweise. Das berichtet die BILD.“ –

Ja, das berichtete die BILD. Allerdings vor über 4 Monaten. Der besagte Artikel ist von Anfang März 2019 und Gegenstand weiterer Berichterstattung. So zum Beispiel vom BILDblog, hier (https://bildblog.de/…/fakten-ignorieren-fuer-die-hetzschla…/) und hier (https://bildblog.de/…/fakten-ignorieren-fuer-die-hetzschla…/).

– „Carsten Hütter, sicherheitspolitischer Sprecher, kommentiert:
Deutschland ist ein Paradies für Kriegsverbrecher. 5.200 Verdachtsfälle und ganze 129 Ermittlungen. Das ist das erbärmliche Ergebnis deutscher Sicherheitspolitik. Mir kann niemand einreden, dass wir kein Sicherheitsproblem in Deutschland haben.“ –

Woher hat Hütter überhaupt das Wort Verdachtsfälle? In besagten BILD-Artikeln geht es um die Anzahl Hinweise. Daraus können sich Verdachtsfälle ergeben, die dann ermittelt werden. Oder eben nicht.

Die über 5000 Hinweise auf „Straftaten nach dem Völkerrecht“ kamen übrigens von Flüchtlingen. Die nämlich, werden im Rahmen des Asylantrags gefragt:

„Waren Sie selbst Augenzeuge, Opfer oder Täter von begangenem Völkermord, Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit; Übergriffen (Folter, Vergewaltigungen oder andere Misshandlungen) von kämpfenden Einheiten auf die Zivilbevölkerung; Hinrichtungen bzw. Massengräbern oder Einsätzen von Chemiewaffen?“ (via Bildblog)

Wird diese Frage mit ja) beantwortet, gilt das als ein Hinweis. Also auch, wenn man als Zeuge berichtet und gar keine Hinweise darauf hat, wo die verdächtige Person überhaupt ist. Aber eben auch, wenn die verdächtige Person oder Personengruppe nachweislich im Ausland verweilt. Und so weiter: „Mit vielen der 5000 Bamf-Hinweise konnten die Ermittler daher nicht weit kommen.“, so die Süddeutsche Zeitung im März (!) 2019.

– „Hinzukommt, dass Deutschland diese Verbrecher auch noch alimentiert. Die Sozialleistungen für Mörder, Vergewaltiger und Kriegsverbrecher werden mit unseren Steuergeldern bezahlt.“ –

Deutschland bezahlt Sozialleistungen für in Syrien oder dem Irak lebende Kriegsverbrecher? Was für ein Blödsinn. Das behauptet noch nicht mal der BILD-Artikel. Mal abgesehen davon, dass Kriegsverbrecher gar kein Flüchtlingsstatus zuerkannt wird (Asylgesetz, § 3, Absatz 2).

Und ganz abgesehen davon, dass die über 5000 Hinweise nicht „umzurechnen“ in über 5000 Personen sind oder diese überhaupt in Deutschland oder Europa weilen.

– „Wer behauptet, Deutschlands Grenzen nicht schützen zu können und Kriegsverbrecher nicht verurteilt, der hat jeglichen Regierungsanspruch verwirkt.“ –

Seit wann übernehmen in Deutschland eigentlich Politiker und Regierungsmitglieder Verurteilungen?
Das machen Gerichte, also deren Richter, die schon seit längeren nicht mehr Teil der Regierung sind. Gewaltenteilung anyone?

– „“Die AfD wird alles tun, damit Deutschland kein Rückzugsgebiet für diese Verbrecher wird und fordert konsequente Verurteilungen und schnelle Abschiebungen.“ –

Und bis „dahin“, werden offenbar Monate alte Boulevard-Artikel recycelt, die schon beim Erscheinen als Hetz-Artikel widerlegt wurden.

Falsch: „Altparteien-Komplott: 42 Listenplätze der sächsischen AfD für ungültig erklärt!“

Falsch: „Altparteien-Komplott: 42 Listenplätze der sächsischen AfD für ungültig erklärt!“

Nachdem der sächsische Landeswahlausschuss die Landesliste der AfD-Sachsen nur zum Teil (Plätze 1-18) zugelassen hat, meldete sich Chef Jörg Urban zu Wort.

Mit einer Pressemitteilung, die, sicher ungewollt, zeigt, wie die AfD immer wieder mit dem kleinen 1×1 Probleme kriegt. Urban schreibt:

— „Altparteien-Komplott: 42 Listenplätze der sächsischen AfD für ungültig erklärt.“ —

Schon die Überschrift ist falsch. Es wurden nicht 42, sondern 43 Listenplätze für ungültig erklärt. 61-18 wäre dafür zu rechnen. (61 Listenplätze, 18 gültige)

— „Der Landeswahlausschuss entschied aktuell, dass die Listenplätze 19 bis 61 der Landesliste der sächsischen Alternative für Deutschland ungültig sind. In dem Ausschuss sitzen Vertreter aller im Sächsischen Landtag vertretenen Parteien. Dazu erklärt der sächsische AfD-Landesvorsitzende, Jörg Urban:
Das ist ein verabredeter Komplott von Vertretern der im Landtag sitzenden Altparteien, mit einem durchsichtigen, juristisch nicht haltbarem Boykottverfahren den stärksten politischen Mitbewerber zur Landtagswahl Sachsen am 1. September strategisch zu schwächen. Dieser Versuch wird misslingen. Die AfD Sachsen wird gegen diesen unglaublichen Vorgang vor einem ordentlichen Gericht klagen. Sie wird diese Klage gewinnen und sie wird die stärkste politische Kraft im Freistaat Sachsen werden.“ —

Es sei nur mal angemerkt, dass das ein reichlich abstruser „Komplott der Altparteien“ wäre, da sich nach jetzigem Stand für die AfD-Sachsen wohl nichts ändern wird.

Vielleicht will man hier dann doch eher vom eigenen Versäumnis ablenken, denn die sächsische AfD hatte für Fehlerkommunikation oder Selbstkritik nie viel übrig.

— „Die Wähler durchschauen den perfiden Versuch des Kartells, weiterwursteln zu wollen wie bisher – ohne den dringend nötigen Politikwechsel im Freistaat einzuleiten. Laut Prognosen wird die AfD bereits jetzt die Hälfte aller 61 Wahlkreise gewinnen. Nach diesem Manöver wird zudem die Solidarität für unsere Partei immens zunehmen. Jetzt erst recht!“ —

Und auch diese Zahl ist wieder falsch. Es gibt in Sachsen keine 61 Wahlkreise, sondern 60.
So bekommt man dann vielleicht eine Idee, wie es zu diesen „Faselfehlern“, z.B. in Listenvorschlägen kommt.

?: „BKA: Mehr deutsche Opfer durch Zuwanderer als andersherum“

?: „BKA: Mehr deutsche Opfer durch Zuwanderer als andersherum“

Carsten Hütter, MdL der AfD-Fraktion Sachsen, schreibt am 20. Juni 2019:

– „Der Lagebericht „Zuwanderungskriminalität“ des Bundeskriminalamtes hat für letztes Jahr eine drastische Zunahme der Gewaltkriminalität gegen Deutsche analysiert: „Unter den 101.956 Opfern von Straftaten mit tatverdächtigen Zuwanderern befanden sich letztes Jahr 46.336 Deutsche (+ 19 %) … Im Bereich Mord und Totschlag fielen 230 Deutsche einer Straftat zum Opfer, an der mindestens ein tatverdächtiger Zuwanderer beteiligt war (+105 %)“. Im Bereich Sexualdelikte waren es 3.261 Deutsche (+21 %).“ –

Bei Zunahmen um mehr als 100% halten wir es ja immer für geboten, in die eigentliche Quelle hineinzuschauen. Besonders wenn der Lagebericht, also die zitierte Analyse schon mehrere Monate alt ist. Nachdem also im April die WELT, diverse Blogs (Tichy) und eine AfD-nahe Zeitung (Deutschland-Kurier) darüber berichteten, schreibt Hütter nun, drei Monate danach, auch eine Meldung.

Außer der WELT, haben übrigens alle Veröffentlichungen, auch Hütters Pressemitteilung, eines gemeinsam: Sie lassen die weiteren Sätze und Fußnoten, die dem Absatz in den es um die 230 Todesopfer geht folgen, schlicht weg.

– „Carsten Hütter, sicherheitspolitischer Sprecher, erklärt:
Es ist nicht nachzuvollziehen, warum die Medien über diese drastischen Zunahme von Ausländerkriminalität gegenüber Deutschen weitestgehend schweigen. Offenbar sollen die negativen Folgen der unkontrollierten Masseneinwanderung nicht ins öffentliche Bewusstsein dringen. Dabei reicht für jeden Bürger ein kurzer Blick auf die Gefängnisstatistik, um die einseitige Berichterstattung zu erkennen: So ist der Anteil von Ausländern im Strafvollzug in kürzester Zeit gestiegen – in Hamburg auf 61 Prozent, Berlin auf 51 Prozent, Baden-Württemberg auf 48 Prozent und in Sachsen auf über 30 Prozent.
In der Öffentlichkeit wird versucht ein Bild aufzubauen, dass Ausländer angeblich erheblichen Angriffen von Deutschen ausgeliefert wären. Tatsächlich waren bei den 47.042 Angriffen auf Ausländer nur 8.455 Passdeutsche beteiligt. Die AfD wird die überdurchschnittliche Ausländerkriminalität zum Thema machen und die Schweigespirale durchbrechen.“ –

Um beim sächsischen Beispiel zu bleiben, Anfang 2019 wurde von 981 inhaftierten Ausländern in Sachsens Gefängnissen berichtet. Im März 2016 waren es 779. Die AfD-Sachsen „interpretierte“ die Zahlen schon damals falsch, als Steigerung von „mehr als 100 Prozent“. Korrekt wäre etwa 25 Prozent gewesen. Aber die Zahl reichte ästhetisch scheinbar nicht.

Aber wir schweifen ab, im BKA Lagebild steht also nun:

„Im Bereich Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen fielen 230 Deutsche einer Straftat zum Opfer, an der mindestens ein tatverdächtiger Zuwanderer beteiligt war (+105 %; 2017: 112). Davon wurden 102 Personen Opfer einer vollendeten Tat (2017: 13).“

Das ist also das Zitat, das Hütter in der Einleitung verwendet. Direkt im nächsten Satz steht im Lagebild:

„Maßgeblich für den deutlichen Anstieg deutscher Opfer ist die im Jahr 2018 erfolgte statistische Erfassung der 81 deutschen Opfer des Anschlags am Berliner Breitscheidplatz vom 19.12.2016. 30 Von diesen wurden 6 Personen getötet und 75 verletzt. Aufgrund der Erfassungsmodalitäten der PKS werden die 81 deutschen Opfer unabhängig vom Verletzungsgrad als Opfer eines vollendeten Tötungsdelikts erfasst.(31)“

Sprich, die Opfer des islamistischen Anschlags von 2016 sind erst 2018 in die PKS eingegangen (die PKS ist nun mal eine Ausgangsstatistik). Und nicht nur das, die Fußnote 31 sagt:

„Bei einem vollendeten Opferdelikt werden in der PKS alle von der Tat betroffenen Opfer unter „vollendetes Delikt“ erfasst. Wurde beispielsweise ein Opfer bei einer Straftat gegen das Leben getötet, erfolgt auch für andere bei dieser Tat betroffenen Opfer, unabhängig von ihrem Verletzungsgrad, die Erfassung als Opfer eines vollendeten Tötungsdeliktes. Um diese Unschärfe zu beheben, wird in der PKS künftig auch der Verletzungsgrad eines Opfers erfasst.„

Das heißt, obwohl von den 81 Opfern 75 glücklicherweise überlebt haben, werden diese 75 rein statistisch als tot betrachtet. Was freilich zynisch klingt, ist aber offenbar „Teil“ dieser Statistik. Warum dieser, ja nun nicht ganz unwichtige Teil, außer von der WELT; sonst also so gerne weggelassen wird, möchten wir aber nicht mutmaßen.